Schriftgröße:
.

Quarantänemaßnahmen

Da Diabrotica virgifera virgifera in der EU als Quarantäneschädling (Richtlinie 2000/29/EG) eingestuft ist, unterliegt dieser Schädling den EU-Quarantänemaßnahmen, welche in allen Mitgliedstaaten verbindlich anzuwenden sind. Aufgrund der zunehmenden Einschleppungen in bisher befallsfreie Gebiete wurde 2003 von der EU eine Entscheidung über Sofortmaßnahmen gegen die Ausbreitung von Diabrotica virgifera virgifera in der Gemeinschaft (2003/766/EG) beschlossen, die 2006 durch die Artikel 4a, 4b und 5 (Entscheidung 2006/564/EG) sowie 2008 durch den Artikel 4 (Entscheidung 2008/644/EG) ergänzt wurden.

 

a) Ausrottung in bisher befallsfreien Gebieten

 

Die EU-Entscheidungen zur Ausrottung von Diabrotica sehen folgende Punkte vor:

  • Meldepflicht bei vermuteten oder bestätigten Auftreten von Diabrotica
  • Durchführung eines amtlichen Monitorings
  • Bei Feststellung eines Befalls Abgrenzung von Befalls- und Sicherheitszonen
    • In Befallszone: Umkreis von mindestens 1 km um die befallene Fläche
    • Anlegen einer Sicherheitszone im Umkreis von mindestens 5 km um Befallszone mit dem Ziel eine Verschleppung aus der Befallszone heraus zu verhindern

 

1. Ausrottungsmaßnahmen in der Befallszone

 

In der Befallszone gelten folgende Auflagen:

  • Das Auftreten oder der Verdacht des Auftretens von Diabrotica ist sofort dem zuständigen Pflanzenschutzdienst zu melden.
  • Durchführung eines intensiven Monitorings mit Pheromonfallen / Sexuallockstofffallen, um eine fortdauernde Befallssituation zu gewährleisten
  • Nach Festsetzung der Befallszone kein Anbau von Mais für mindestens 2 Jahre
  • Bekämpfung der adulten Käfer des Schadorganismus unmittelbar nach Befallsfeststellung bis zum Ende der Eiablageperiode auf den Maisfeldern mit einem wirksamen Insektizid gegen adulte Käfer
  • Zeitlich begrenzte Verbringungsverbote für Maispflanzen und Erde sowie Erntebeschränkungen
  • Gründliche Reinigung von landwirtschaftlichen Maschinen, die auf Maisfeldern zum Einsatz kamen, vor dem Verlassen der Befallszone von Erde und Rückständen
  • Vernichtung von Maisdurchwuchs

 

2. Maßnahmen in der Sicherheitszone

 

Um die Verbreitung des Käfers im Falle eines Entweichens aus der Befallszone zu verhindern, ist die Sicherheitszone vorgeschrieben.

In der Sicherheitszone gelten folgende Auflagen:

  • Nach Befallsfeststellung darf in zwei aufeinander folgenden Jahren nur einmal Mais angebaut werden (zweijährige Fruchtfolge) oder
  • Durchführung von Bekämpfungsmaßnahmen auf den Maisflächen im Befalls- und Folgejahr

 

Ausgehend von den EU-Entscheidungen ist in Deutschland eine Leitlinie zur Durchführung von amtlichen Maßnahmen gegen Diabrotica virgifera virgifera veröffentlicht worden. Wenn Sie darüber mehr erfahren möchten, klicken Sie bitte ... hier.

 

 

b) Eingrenzung

 

Lässt sich der Westliche Maiswurzelbohrer nach mehr als 2 aufeinanderfolgenden Jahren nicht mehr ausrotten, müssen Eingrenzungsmaßnahmen eingeleitet werden. Werden in einem zusammenhängenden größeren Gebiet neue Käferfundstellen entdeckt, müssen diese Maßnahmen an der Übergangszone vom befallenen zum nicht befallenen Gebiet durchgeführt werden (Artikel 4a). Dieser Fall tritt z.B. seit 2008 in Niederbayern oder seit 2009 in Baden-Württemberg (Ortenau und Emmendingen) ein. Ziel dieser Eingrenzung ist eine Verlangsamung der Ausbreitung des Käfers.

Als wichtigste Maßnahme gilt die Einhaltung einer Fruchtfolge, auch in Kombination mit der Ausbringung von Bodeninsektiziden oder der Insektizidspritzung gegen adulte Käfer.

Die EU-Eingrenzungsempfehlung 2006/565/EG beinhaltet daher:

  • Festlegung einer Eingrenzungszone mit mindestens 10 km in der Befallszone und mindestens 30 km in der angrenzenden nicht befallenen Zone
  • In der Eingrenzungszone
    • Kein Anbau von Mais nach Mais innerhalb von 2 Jahren oder
    • Anbau von 2x Mais innerhalb von 3 Jahren, wenn jeweils eine wirksame Insektizidbekämpfung gegen die adulten Käfer im Mais oder adäquat wirksame Maßnahmen durchgeführt werden oder
    • andere Maßnahmen, die mit einer vergleichbaren Wirksamkeit eine Ausbreitung in befallsfreie Gebiete einschränken.

Neueste Modellrechnungen zur Populationsentwicklung zeigen auf, dass der Anbau von 2x Mais innerhalb von 3 Jahren ohne insektizide Maßnahmen unter deutschen Bedingungen als Maßnahme mit vergleichbarer Wirksamkeit angesehen werden.

 

c) Unterdrückung

 

Mit Hilfe von Unterdrückungsmaßnahmen kann i. d. R. einer natürlichen Ausbreitung des Westlichen Maiswurzelbohrers entgegengewirkt werden, indem die Populationsdichten in etablierten Gebieten gering gehalten werden und die Verschleppungswahrscheinlichkeit somit sinkt. Die natürliche Ausbreitung von maximal 100 km pro Jahr geht auf die Distanzflüge der adulten Käfer zurück, wenn hohe Populationsdichten in Monomaisanbaugebieten ohne Bekämpfungsmaßnahmen auftreten. In Gebieten mit intensivem Maisanbau sind Ausbreitungsraten von 80 km und in Gebieten mit geringem Maisanbau von nur 20 km pro Jahr oder weniger zu erwarten (Baufeld 2006). Wenn in einer Region kein Maisanbau stattfindet, kann die Ausbreitung zum Stillstand kommen. Nur ein Anbau von Mais nach Mais sichert dem Käfer eine schnelle Vermehrung und damit hohe Populationsdichten.

 

Weitergehende Informationen über Quarantänemaßnahmen und Regelungen zum Westlichen Maiswurzelbohrer stellt das Institut für nationale und internationale Angelegenheiten der Pflanzengesundheit zur Verfügung, das innerhalb des JKI für Quarantänen- und andere pflanzengesundheitliche Maßnahmen zuständig ist (JKI Pflanzengesundheit).

 

Die Wirkung dieser Maßnahmen wird aber vor allem dadurch erschwert, dass in Folge von unbeabsichtigtem Transport der Käfer mittels LKW, Flugzeug, Bahn oder Auto regelmäßig neue Befallsherde in befallsfreien Gebieten entstehen. Eine Befallsreduktion in bereits länger befallenen Gebieten ist daher dringend erforderlich.

 

Wenn Sie mehr über Bekämpfungsmaßnahmen bzw. integrierte Behandlungsmittel erfahren möchten, klicken Sie ... hier.



  • PDF
  • Druckversion dieser Seite

Suche

Suche