Schriftgröße:
.

Integrierte Behandlungsmittel

a) Vorbeugende und ackerbauliche Maßnahmen


Die Einhaltung der Fruchtfolge gilt als effektivste Maßnahme zur Bekämpfung von Diabrotica virgifera virgifera. Frisch geschlüpfte Larven sterben ab, wenn sie nicht in unmittelbarer Nähe um die Eiablagestelle auf ihre Nahrungsquelle (Wirtspflanze Mais, in begrenztem Umfang auch andere einkeimblättrige Pflanzen) treffen. Wird auf den Anbau von Monomais verzichtet, kann die Populationsentwicklung auf Befallsflächen unterdrückt und damit die natürliche Ausbreitung von Diabrotica deutlich reduziert werden. Bei Verzicht auf Monomaisanbau ist kaum mit Schäden durch Diabrotica zu rechnen. Zu beachten ist allerdings, dass auch andere monokotyle Pflanzen wie Weizen und Roggen, sowie bestimmte Hirsearten als Nahrung geeignet scheinen. Die Energiepflanze Miscanthus ist als Wirtspflanze prinzipiell geeignet, wie neue Untersuchungen aus Deutschland und den USA zeigen, da sie die Entwicklung vom Ei über die Larve zum Käfer ermöglicht. Der Diabrotica-Käfer ist sehr anpassungsfähig und kann sich auf geänderte Kulturbedingungen einstellen.

Ob die Abundanz der Diabrotica-Larven durch bestimmte Bodenbearbeitungsmaßnahmen, wie zum Beispiel durch das Pflügen, verringert werden kann, wird derzeit untersucht. Eine weitere ackerbauliche Maßnahme zur Kontrolle von Diabrotica stellt die Unkrautbekämpfung dar, da Ungräser und Unkräuter im Maisbestand als Nahrungsquelle für die Larven von Diabrotica fungieren können.

Maßnahmen, die die Maispflanzen in ihrer Entwicklung stärken, können einen wesentlichen Beitrag zur  Vermeidung von Schäden durch Diabrotica leisten. Dazu zählen z.B. ein optimal vorbereitetes Saatbett, ein optimaler Saatzeittermin sowie eine wirksame gezielte Maisdüngung. Bei der Sortenwahl ist darauf zu achten, dass die Sorten ein starkes Wurzelwachstum aufweisen bzw. die Sorten über eine hohe Wurzelregeneration verfügen. Durch diese Kriterien kann die Schädigung der Maispflanzen durch Diabrotica geringer ausfallen.

 

 

b) Insektizidanwendung gegen Larven

 

Zur Bekämpfung der Larven können Bodeninsektizide (Granulate) oder gebeiztes Saatgut eingesetzt werden. In Deutschland sind diese beiden Varianten gegenwärtig jedoch nicht zugelassen. Der mit dem Wirkstoff Clothianidin kontaminierte Abrieb von behandeltem Maissaatgut, der beim Drillen mit pneumatischen Sämaschinen in die Umwelt gelangte, war zweifelsfrei für das großflächige Bienensterben 2008 in Süddeutschland verantwortlich. In Deutschland wurden in den vergangenen Jahren zeitlich befristete Genehmigungen für das Granulat Force 1.5 G mit dem Wirkstoff Tefluthrin nach § 11 (2) des PflSchG „Gefahr im Verzuge" in behördlich abgegrenzten Regionen mit vorgeschriebenen Diabrotica-Maßnahmen  erteilt. Informationen zum aktuellen Zulassungsstand erfahren Sie unter: https://portal.bvl.bund.de/psm/jsp/.

 

 

c) Insektizidspritzung gegen Adulte

 

Die Bekämpfung von Diabrotica ist auf die Larvalstadien fokussiert. Zur Verhinderung der Ausbreitung und zur Unterbrechung des Entwicklungszyklus ist jedoch auch die Bekämpfung der adulten Käfer erforderlich. Aufgrund der Bestandeshöhe des Mais zur Hauptflugzeit des Käfers ist ein Befahren lediglich mit Stelzentraktoren möglich. Die Adultbekämpfung gilt zwar als wirksame Insektizidmaßnahme, jedoch ist deren Umsetzbarkeit als kritisch anzusehen (Probleme bei der Beschaffung von Stelzentraktoren, Befahrbarkeit, Abdriftgefahr, Wirksamkeit der Pflanzenschutzmittel muss bis zum Flugende im Herbst andauern, wenn eine Ausrottung geplant ist). Der Zusatz von Curcubitacinen zu Insektizid-Spritzbrühen gilt als Möglichkeit, die Wirksamkeit von Spritzbehandlungen zu erhöhen und gleichzeitig die Umweltbelastung zu minimieren. Diese sogenannten Fraßstimulantien, die aus Kürbisgewächsen gewonnen werden, sollen Diabrotica zur vermehrten Nahrungsaufnahme animieren. Als Folge werden große Mengen des insektiziden Wirkstoffes trotz geringem Mittelaufwand vom Käfer aufgenommen.

 

 

d) Natürliche Feinde

 

Das Wissen über das Potential entomopathogener Nematoden als biologische Kontrolle gegen Larvenstadien von Diabrotica virgifera virgifera hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Am effektivsten hat sich dabei die Nematodenart Heterorhabditis bacteriophora erwiesen. Die sich in den Nematoden befindenden insektenpathogenen Bakterien gelangen ins Innere der Diabrotica-Larven, wo sie sich rasch vermehren und zum Absterben des Wirtes führen. Der abgestorbene Kadaver dient den Nematoden als Nahrung.

Die Wirksamkeit des Nematodeneinsatzes wurde unter praxisüblichen Bedingungen in Gebieten, in denen sich der Käfer bereits etabliert hat (u.a. in Ungarn und in Österreich[Burgenland]), überprüft und bestätigt. Nematoden reduzieren gezielt den Käferschlupf von Diabrotica. Dadurch kann einem rasanten Populationsaufbau von Diabrotica effektiv entgegengewirkt werden.

Versuche der letzten 10 Jahre mit entomopathogenen Nematoden  gegen die Larven Diabrotica virgifera virgifera haben gezeigt, dass unter den meisten Bedingungen im Feld, etwa 2 Mrd. Nematoden pro ha bei Reihenapplikationen mit mindestens 200 Liter Wasser ausreichen, um diesen Schädling und dessen Wurzelschaden unter der Schadschwelle zu halten. Aus praktischen Gesichtspunkten heraus ist eine Ausbringung der Nematoden gemeinsam mit der Maisaussaat einer Späteren zum Larvenschlupftermin von Diabrotica vorzuziehen.  Jüngste Praxisversuche (2009-2012) zeigten, dass Nematoden in Bodenproben über mindestens 3 Monate hinweg nachgewiesen werden konnten und somit die Käferlarven über einen langen Zeitraum befallen können. Sie können sich sogar in Larven und Puppen im Boden vermehren und dann neue Larven befallen. Praxisversuche könnten die Aussagen zur notwendigen Dosis und Wirksamkeit unter verschiedenen Feldbedingungen weiter absichern. Zurzeit ist die Flüssigapplikation der Nematoden in die Saatrille zur Aussaat die am besten entwickelte und favorisierte Methode. Sie benötigt allerdings eine Wassermenge von mindestens 200 l pro ha und auch eine für die Nematodenausbringung geeignete Applikationsausrüstung. Anwendungsformen als Granulat oder Saatgutbehandlung haben sich bisher als nicht praxistauglich erwiesen.

 

e) Züchtungsfortschritte

 

Als weitere Bekämpfungsoption gilt der Einsatz von gentechnisch veränderten Maispflanzen (Bt-Mais), die gegen Diabrotica resistent sind. In Deutschland sind Diabrotica-resistente Maissorten nicht zugelassen; in den USA hingegen nimmt deren Anbau seit 2003 vermehrt zu.

Konventionell gezüchtete Maislinien können tolerant sein und nach erfolgtem Wurzelfraß vermehrt neue Wurzeln ausbilden und damit die Standfestigkeit und den Nährstoffaustausch in der Pflanze aufrechterhalten. Auch Zuchtlinien mit echter Resistenz gegen die Larven sind in Arbeit.

 



  • PDF
  • Druckversion dieser Seite

Suche

Suche